Die Weltkrise des Kapitalismus und die Perspektive des Sozialismus
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Von Nick Beams
15. Februar 2008
aus dem Englischen (2. Februar 2008)
Wir veröffentlichen hier den dritten Teil des einleitenden Berichts, den Nick Beams auf der internationalen Schule des Internationalen Komitees der Vierten Internationale und der International Students for Social Equality in Sydney, Australien, vom 21. bis 25. Januar hielt. Beams ist Mitglied der internationalen Redaktion der World Socialist Web Site und Nationaler Sekretär der Socialist Equality Party Australiens.
Die Besorgnis über die gegenwärtige Lage und die Furcht vor einer Rezession, wenn nicht sogar einem Absturz oder Zusammenbruch, ergibt sich aus dem gewaltigen Anstieg der Verschuldung in den USA und der Weltwirtschaft als ganzer in der vergangenen Periode. Die Frage, vor der unsere Bewegung steht, ist die folgende: Was bedeutet diese Krise für die Entwicklung unserer Perspektiven?
Vor zwei Jahren bemerkte David North bei der Eröffnung unserer damaligen Diskussion:
"Jeder ernsthafte Versuch einer politischen Prognose und einer Einschätzung des Potenzials, das die bestehende politische Situation birgt, muss seinen Ausgangspunkt in einem präzisen und akkuraten Verständnis der historischen Entwicklung des globalen kapitalistischen Systems haben.
Die Analyse der historischen Entwicklung des Kapitalismus muss die folgende wesentliche Frage beantworten: Befindet sich der Kapitalismus als Weltwirtschaftssystem in einer Aufwärtsbewegung und hat seinen Höhepunkt noch nicht erreicht, oder befindet er sich im Niedergang und steht vielleicht sogar kurz vor dem Abgrund?
Die Antwort, die wir auf diese Frage geben, hat notgedrungen äußerst weit reichende Konsequenzen, und zwar nicht nur in Hinblick auf die Bestimmung unserer praktischen Aufgaben sondern ebenso für die gesamte theoretische und programmatische Orientierung unserer Bewegung. Nicht der subjektive Wunsch nach sozialer Revolution bestimmt unsere Analyse der historischen Bedingungen des globalen kapitalistischen Systems. Vielmehr muss sich die revolutionäre Perspektive auf eine wissenschaftlich begründete Einschätzung der objektiven Tendenzen in der sozioökonomischen Entwicklung gründen. Getrennt von den notwendigen objektiven sozioökonomischen Voraussetzungen ist eine revolutionäre Perspektive nichts weiter als ein utopisches Konstrukt." (WSWS, 8. März 2006)
Das Ausbrechen der gegenwärtigen Krise unterstreicht den zentralen Punkt, den wir in unserer Analyse betont haben: dass die Globalisierung weit davon entfernt sei, den Kapitalismus in eine neue Epoche des Fortschritts zu katapultieren. Vielmehr habe sie alle Widersprüche intensiviert, die ihn im 20. Jahrhundert heimgesucht und zu Kriegen und Revolutionen geführt haben.
Unsere Gegner werden uns mit dem Argument entgegentreten, das kapitalistische System durchlaufe zwar durchaus einige schwerwiegende Probleme und vielleicht sogar eine Krise. Aber es handle sich um einen jener "heilsamen Stürme", die sich während seiner gesamten Geschichte als gesund für die Entwicklung des kapitalistischen Systems erwiesen hätten. Nach einer Periode der Stürme und Aufregungen werde es einen neuen, stabileren Entwicklungsprozess geben und wir würden uns wieder in der besten aller möglichen Welten befinden.
Schließlich, so werden sie argumentieren, seien auch der Zusammenbruch der Aktienmärkte 1987, die Asienkrise 1997-98, der Bankrott von Long Term Capital Management 1998 sowie der Kollaps des Aktienmarkts und der spekulativen dot.com-Blase überstanden worden. Genauso würden die Probleme gemeistert werden, die mit dem Platzen der Eigenheimblase und der Subprimekredite verbunden sind.
Wie muss also die gegenwärtige Lage eingeschätzt werden? Nicht einfach, indem wir da ein Plus setzen, wo die Kapitalisten ein Minus setzen und umgekehrt, sondern durch eine historische Analyse der Prozesse, die zu ihr geführt haben.
Wenn der Marxismus eine Wissenschaft der Perspektive ist, dann ist eines der wichtigsten Werkzeuge für die Analyse die Auffassung Trotzkis über die langen Wellen der kapitalistischen Entwicklung, die er 1921 in seinem Bericht vor dem Dritten Kongress der Komintern und in späteren Berichten und Diskussionen in den 1920er Jahren darlegte.
In diesem Bericht unterschied Trotzki streng zwischen Veränderungen, die durch den Konjunkturzyklus - Boom, Krise, Rezession, Erholung, Boom - verursacht werden, der mit der Geburt des Kapitalismus entstanden ist und ihn bis zu seinem Ende begleiten wird, und den langfristigeren Phasen der kapitalistischen Entwicklung, innerhalb derer diese ökonomischen Zyklen stattfinden.
Anhand von Zahlen über den Welthandel zeigte er die verschiedenen Phasen der kapitalistischen Entwicklung im vorhergehenden Jahrhundert auf. Die Periode von 1781 bis 1851 wies eine relativ schwache Aufwärtsbewegung in der "Entwicklungskurve" auf. Nach den Revolutionen von 1848, die, obwohl sie in Niederlagen endeten, dennoch den Rahmen des kapitalistischen Marktes in Europa erweiterten, folgte eine rasche Aufwärtsbewegung, die bis 1873 anhielt. Die Krise des Bank- und Finanzkapitals jenes Jahres wurde schließlich überwunden, aber das führte nicht zu den früheren Bedingungen zurück. Vielmehr waren die nächsten 20 Jahre von einer Depression gekennzeichnet - die Preise und die Gewinne fielen. Von Mitte der 1890er Jahre an, gab es jedoch einen Aufschwung in der Entwicklungskurve, der 1913 in einer Krise und 1914 im Ausbruch des ersten Weltkriegs gipfelte.
Die Beziehung zwischen den beiden Bewegungen ist folgende: In Perioden des Aufschwungs der langfristigen Kurve tendieren Konjunkturaufschwünge dazu, sich länger hinzuziehen, während Krisen relativ kurz sind. Auf der anderen Seite neigen die Boomphasen in einer Abschwungsperiode dazu, oberflächlich und spekulativ zu sein, während sich Rezessionen eher länger hinziehen.
In einer Reihe von Artikeln und Diskussionen in den 1920er Jahren vertiefte Trotzki diese Analyse. Insbesondere setzte er sich mit einer Analyse des bürgerlichen Ökonomen und Sozialdemokraten Kondratieff auseinander, der der Auffassung war, die längeren Phasen der kapitalistischen Entwicklung müssten ebenfalls als "Zyklen" charakterisiert werden. Dem lag keine Meinungsverschiedenheit über die Terminologie zugrunde, vielmehr handelte es sich um grundlegende Fragen der Perspektive.
"Das periodische Wiederkehren der kleinen Zyklen", schrieb Trotzki, "ist durch die innere Dynamik der kapitalistischen Kräfte bewirkt und zeigt sich immer und überall, seit Markt existiert. Was die großen Abschnitte (50 Jahre) der Entwicklungskurve des Kapitalismus betrifft, bei denen Professor Kondratieff unvorsichtigerweise vorschlägt, sie auch als Zyklen zu bezeichnen, so sind ihr Charakter und ihre Länge nicht durch die inneren Wechselwirkungen der Kräfte des Kapitalismus bestimmt, sondern durch jene externen Faktoren, die die Bahn bilden, in der die Entwicklung des Kapitalismus verläuft. Die Einverleibung neuer Länder und Kontinente durch den Kapitalismus, die Entdeckung neuer natürlicher Ressourcen und in deren Gefolge solche Hauptereignisse im Bereich des Überbaus wie Kriege und Revolutionen, determinieren den Charakter und das Abwechseln von ansteigenden, stagnierenden oder niedergehenden Epochen der kapitalistischen Entwicklung." [Die langen Wellen der Konjunktur. Beiträge zur Marxistischen Konjunktur- und Krisentheorie. Von Parvus, Karl Kautsky, Leo Trotzki, N.D. Kondratieff und Ernest Mandel Berlin 1975, S. 128]
Kondratieffs Bestimmung der längeren Phasen der kapitalistischen Entwicklung als Zyklen war verbunden mit einer sozialdemokratischen Perspektive, die davon ausging, dass es keinen "Zusammenbruch" des kapitalistischen Systems geben werde, da auf jede Periode des Niedergangs unausweichlich ein neuer Aufschwung folge, genau wie innerhalb des Konjunkturzyklus auf eine Rezession eine Wiederbelebung kommt.
Trotzki, der die Weltsituation in den 1920er Jahren analysierte, schloss die Möglichkeit nicht aus, dass es in der Kurve der kapitalistischen Entwicklung wieder einen Aufschwung geben könne. Aber dieser könne nur stattfinden, wenn die europäische Wirtschaft gewaltsam in eine Rückwärtsentwicklung geworfen werde, was den Tod von Millionen von Arbeitern bedeute. Ein neuer Aufschwung werde nur möglich, wenn die Kommunistische Internationale und ihre Sektionen es nicht schafften, die revolutionären Möglichkeiten zu ergreifen, die sich in den kommenden Jahren böten. Wie wir wissen, sind diese Bedingungen, die Trotzki nur hypothetisch annahm, eingetreten. Revolutionäre Möglichkeiten wurden nicht ergriffen und unter der Herrschaft der stalinistischen Bürokratie verwandelte sich die Kommunistische Internationale in eine konterrevolutionäre Agentur des Weltkapitalismus.
Nach dem zweiten Weltkrieg gab es einen neuen Aufschwung in der Kurve der kapitalistischen Entwicklung. Er resultierte aus der weltweiten Ausbreitung der produktiveren Methoden, die vom amerikanischen Kapitalismus entwickelt worden waren. Dadurch erhöhte sich die Masse des aus der Arbeiterklasse herausgepressten Mehrwerts, und die Profitrate für das gesamte kapitalistische System erholte sich. Aber wie Trotzki analysiert hatte, war dieser Aufschwung nur wegen grundlegenden Entwicklungen im Überbau möglich - insbesondere wegen des Verrats des revolutionären Aufschwungs der Arbeiterklasse durch die stalinistischen Apparate in der Spätphase des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit und wegen den großen Veränderungen der internationalen politischen Beziehungen, die durch den Eintritt des amerikanischen Imperialismus in den Krieg eingetreten waren.
Trotzki hatte bereits in seinem berühmten Artikel Nation und Weltwirtschaft von 1934 auf die explosiven Folgen des Widerspruchs zwischen der rasanten Entwicklung des amerikanischen Kapitalismus und der Aufteilung der Welt in eine Reihe geschlossener Imperien hingewiesen - das britische Weltreich, Japans Bestreben Asien zu erobern und die ehrgeizigen Pläne des Nazi-Regimes, Europa zu beherrschen.
Der Artikel beginnt damit, die Bedeutung der Entwicklung der Arbeitsproduktivität in der Evolution der menschlichen Gesellschaft herauszuarbeiten. Die Produktivität der Arbeit war das grundlegendste Kriterium, um den Charakter einer Gesellschaft zu beurteilen und zu bestimmen. Letztlich erklärt sie die Ersetzung einer Gesellschaftsform durch eine andere - die Ablösung des Kannibalismus durch die Sklaverei, der Sklaverei durch die Leibeigenschaft und die Ersetzung des Feudalismus durch das System der bezahlten Arbeit im Kapitalismus.
Wie zeigte sich dieses Gesetz der Produktivität der Arbeit unter den Bedingungen der 1930er Jahre?
"Die Vereinigten Staaten", schrieb Trotzki, "stellten den vollendetsten Typus der kapitalistischen Entwicklung dar. Das relative Gleichgewicht des unerschöpflich scheinenden inneren Marktes sicherte ihnen ein gewaltiges technisches und ökonomisches Übergewicht über Europa. Doch die bloße Tatsache des Eingreifens Amerikas in den Weltkrieg war eine Äußerung des bereits gestörten inneren Gleichgewichts. Die Veränderungen, die der Krieg in der Struktur der Vereinigten Staaten verursachte, bewirkten, dass der amerikanische Kapitalismus in die Weltarena trat und dies zu einer Lebensfrage für das System wurde. Vieles spricht dafür, dass dieser Ausweg außerordentlich dramatische Formen annehmen muss." [L. Trotzki, Schriften über Deutschland, Frankfurt 1971, Bd. II, S. 643 Hier ist nur ein Teil des Aufsatzes abgedruckt, Anm. d. Übers.]
"Das Gesetz der Produktivität der Arbeit ist von entscheidender Bedeutung für die Beziehungen zwischen Amerika und Europa und im Allgemeinen für die Bestimmung des Platzes der USA in der Welt. Die höchste Form, die die Yankees dem Gesetz der Produktivität der Arbeit gaben, nennt man Förderband, Standard- oder Massenproduktion. Es schien so, als sei der Punkt, von dem aus der Hebel des Archimedes die Welt umdrehen könnte, gefunden worden sei. Aber der alte Planet weigert sich, umgedreht zu werden. Jeder verteidigt sich gegen jeden, schützt sich durch Zollwälle und einen Zaun von Bajonetten. Europa kauft keine Güter, bezahlt keine Schulden und bewaffnet sich auch noch. Mit fünf armseligen Divisionen erobert das ausgehungerte Japan ein ganzes Land [China]. Die fortschrittlichste Technik auf der Welt scheint plötzlich kraftlos vor Hindernissen, die sich auf eine viel primitivere Technik stützen. Das Gesetz der Produktivität der Arbeit scheint seine Kraft einzubüßen.
Aber es scheint nur so. Das Grundgesetz der menschlichen Geschichte muss sich an abgeleiteten und sekundären Erscheinungen unweigerlich rächen. Früher oder später muss sich der amerikanische Kapitalismus auf dem gesamten Planeten der Länge und der Breite nach Wege eröffnen. Mit welchen Methoden? Ein hoher Koeffizient der Produktivität bedeutet auch immer einen hohen Koeffizienten der Zerstörungskraft. Ich predige den Krieg? Keineswegs: Ich predige überhaupt nichts. Ich versuche nur die Weltlage zu analysieren und Schlussfolgerungen aus den Gesetzen der ökonomischen Mechanik zu ziehen." [Übersetzt aus dem Englischen: L. Trotsky , Writings 1933-34, S. 161-162]
Für den amerikanischen Kapitalismus war die entscheidende Frage im zweiten Weltkrieg nicht die Demokratie, sondern die Wiederherstellung der Weltwirtschaft, um die freie Bewegung der Güter und Waren zu sichern und die alten Imperien zu Fall zu bringen.
Die Wiederherstellung der Weltwirtschaft nach dem Krieg machte einen neuen Aufschwung in der Kurve der kapitalistischen Entwicklung möglich. Das heißt, sie ermöglichte die Entwicklung und Verbreitung produktiverer Methoden, die die Profitrate steigerten und trugen.
Aber alle Widersprüche der Profitwirtschaft blieben in Kraft und begannen sich um die Mitte der 1960er Jahre erneut im Fall der Profitrate zu äußern.
Das Ende des Nachkriegsbooms war gekennzeichnet durch ein Vorpreschen der Arbeiterklasse. David North wies in seinen Bemerkungen anlässlich der Mitgliederversammlung der SEP in Detroit zu recht darauf hin, dass das grundlegende Charakteristikum dieser Periode nicht der Aufstand der Studenten und eine "neue Avantgarde" war, wie die Theoretiker der Neuen Linken behaupteten, sondern das Hervortreten der Arbeiterklasse.
In seinem Buch Der eindimensionale Mensch, das 1964 erschien und die Theorien der Frankfurter Schule zusammenfasste, behauptete Herbert Marcuse, die Arbeiterklasse könne in den fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern nicht länger als revolutionäre Kraft gelten.
"Als die kritische Theorie der Gesellschaft entstand, war sie mit real vorhandenen (objektiven und subjektiven) Kräften in der bestehenden Gesellschaft konfrontiert, die sich in Richtung auf vernünftigere und freiere Institutionen bewegten (oder dahin gelenkt werden konnten), indem sie die bestehenden abschafften, die dem Fortschritt hinderlich geworden waren. Sie waren der empirische Boden, auf dem die Theorie sich erhob, und von diesem empirischen Boden leitete sich die Idee der Befreiung der inhärenten Möglichkeiten her - der andernfalls blockierten und verzerrten Entwicklung der materiellen und geistigen Produktivität, Anlagen und Bedürfnisse. Ohne den Aufweis solcher Kräfte wäre die Gesellschaftskritik zwar noch gültig und rational, aber außerstande, ihre Rationalität in die Begriffe der geschichtlichen Praxis zu übersetzen. Was folgt daraus? Dass die Befreiung der inhärenten Möglichkeiten die geschichtliche Alternative nicht mehr angemessen ausdrückt." [Herbert Marcuse: Der eindimensionale Mensch, Frankfurt/Main 1989, S. 265]
Das heißt, die Arbeiterklasse war vollständig in den Rahmen der kapitalistischen Ordnung integriert worden. Andere Kräfte, ein Bodensatz von Randgruppen und Außenseitern, bildeten die einzige revolutionäre Opposition.
Vier Jahre später wurde Frankreich vom größten Generalstreik der Geschichte erschüttert. Durch alle wichtigen Länder der Welt ging eine Welle von ökonomischen und politischen Kämpfen. Wie Trotzki früher einmal erklärt hatte, bedeutet die politische Aktivität von Studenten nicht das Entstehen einer neuen gesellschaftlichen Kraft, sie ist vielmehr Ausdruck tieferer Bewegungen im Fundament der Gesellschaft, die anhand ihre unbeständigsten Schichten sichtbar werden.
Der revolutionäre Aufschwung von 1968 bis 1975 wurde von den stalinistischen und sozialdemokratischen Führern der Arbeiterklasse verraten. Die pablistischen Tendenzen leisteten dabei entscheidende Hilfe, da sie in der Nachkriegszeit die Vierte Internationale geschwächt und untergraben hatten und eine entscheidende Rolle spielten, die bürgerliche Ordnung gegen die Erhebungen der 1960er und frühen 1970er Jahre zu festigen. Im Falle von Sri Lanka war ihre Rolle für die Stabilisierung der politischen Lage sogar entscheidend. Als sie 1964 in die Regierung Bandaraneike eintraten, war das nicht nur für dieses Land, sondern für den gesamten Subkontinent und die asiatische Region insgesamt von großer Bedeutung.
Das Ende des Aufschwungs in der Kurve der kapitalistischen Nachkriegsentwicklung setzte mit dem Beginn der Inflation von 1973 und der Rezession von 1974-75 ein, der tiefsten, die es bis zu diesem Zeitpunkt in der Nachkriegszeit gegeben hatte. Mit dem Konjunkturzyklus nach 1975 setze eine Erholung ein, aber diese ging nicht einher mit einer Wiederherstellung der Wachstumsraten und der Rentabilität der 1960er Jahre. Im Gegenteil, ein neues Phänomen tauchte auf - eine Stagflation, die aus einer Kombination von anhaltend hoher Arbeitslosigkeit und hoher Inflation bestand.
Die keynesianischen Methoden, von denen die Sozialdemokraten behauptet hatten, dass sie den Marxismus überflüssig gemacht hätten, weil die Regierungen die kapitalistische Wirtschaft jetzt im Griff hätten, verschlimmerten die Lage noch. Ihr offizielles Begräbnis, so könnte man sagen, fand auf dem Labour Parteitag im September 1976 statt, auf dem Premierminister Callaghan erklärte: "Wir haben uns daran gewöhnt zu glauben, dass wir einen Ausweg aus einer Rezession haben, indem wir die Steuern senken und die Staatsausgaben erhöhen. Ich sage Euch in aller Offenheit, dass diese Option nicht länger existiert..."
Nachdem sich die Situation stabilisiert hatte, ging die Bourgeoisie in die Offensive. Ihre Antwort auf den Fall der Profitrate war zweifach: Senkung der Löhne und Verschlechterung des Bedingungen für die Arbeiterklasse auf der einen und massive Zerstörung der Verluste bringenden Teile des Kapitals auf der anderen Seite. Dies war im Wesentlichen die Politik, die unter Reagan und Thatcher eingeführt wurde. Sie begann 1979 unter der Präsidentschaft des Demokraten Jimmy Carter, der Paul Volcker mit dem Auftrag zum Präsidenten der US Notenbank, des Federal Reserve Board machte, die Inflation zu bekämpfen.
Dies war niemals einfach nur eine Frage der Wirtschaftspolitik, sondern eng mit der Entwicklung des Klassenkampfs verbunden. Sofort nach seinem Amtsantritt war Volcker unmittelbar in die Vorgänge um den Chrysler-Bankrott verwickelt, der den Weg für eine Reihe von Lohnsenkungen als Gegenleistung für Kredite freimachte. Später gab er zu, wie wichtig die Zerschlagung des Streiks der Fluglotsen und die Zerstörung ihrer Gewerkschaft (PATCO) 1981 gewesen sei. "Die wichtigste Einzelaktion der Regierung in Bezug auf die Bekämpfung der Inflation", erklärte er, "war die Niederlage des Streiks der Fluglotsen."
Die Niederlage der Fluglotsen - infolge des Verrats des Gewerkschaftsdachverbands AFL-CIO - kennzeichnete den Beginn einer Offensive gegen die Arbeiterklasse in den USA und international. In Großbritannien war einer der entscheidenden Wendepunkte die Niederlage des Bergarbeiterstreiks 1984-85. In Australien begann die Offensive gegen die Arbeiterklasse mit der Labor-Regierung unter Hawke und Keating, nachdem die Liberale Regierung unter Fraser zusammengebrochen war.
Der Anstieg der Zinsen, den Volcker herbeiführte, trug dazu bei, die Rezession von 1982-83 auszulösen, die tiefste seit den 1930er Jahren. Das Ausmaß des Ansteigens der Zinsen wird in der folgenden Graphik deutlich.

Der Anstieg der Zinsen hatte große Auswirkungen auf die so genannten Entwicklungsländer, die tief in die Verschuldung geraten waren, nachdem die Ölpreise 1973-74 angestiegen waren. Die Rückzahlungen der Kredite eskalierte, als gleichzeitig die Preise für Exportwaren real zu sinken begannen. Dadurch wurde ein Prozess ausgelöst, der bis zum heutigen Tag andauert - der Transfer von Ressourcen aus den ärmsten Ländern der Welt in die Tresore der Großbanken und Finanzinstitute.
Das Ergebnis dieses Prozesses lässt sich an den folgenden Zahlen ablesen. 1970 hatten die ärmsten Länder der Welt (ungefähr 60 Staaten, die von der Weltbank als diejenigen mit dem geringsten Einkommen klassifiziert werden) Schulden in Höhe von 25 Milliarden Dollar. 2002 waren es 523 Milliarden Dollar. Für Afrika waren es 1970 etwas unter 11 Milliarden Dollar. 2002 betrug die Summe 295 Milliarden Dollar. In den letzten drei Jahrzehnten wurden für Kredite in Höhe von 540 Milliarden Dollar insgesamt 550 Milliarden Dollar an Rückzahlungen und Zinsen zurückgezahlt. Und dennoch bleibt eine Schuldenlast von 523 Milliarden Dollar. [Siehe: http://www.globalissues.org/TradeRelated/Debt/Scale.asp]

